Ein Beitrag der Redaktion von bergstiefel.com.
Kaum ein Begriff taucht in der Beschreibung von Bergstiefeln so häufig auf wie „Membran“. Sie soll gleichzeitig wasserdicht und atmungsaktiv sein, was sich zunächst widersprüchlich anhört. Tatsächlich steckt dahinter eine ausgeklügelte Technik, die in vielen modernen Bergstiefeln zum Einsatz kommt. Dieser Beitrag erklärt, wie Membranen funktionieren, welche Varianten es gibt und was das für den Alltag auf der Tour bedeutet.
Was ist eine Membran und wofür ist sie da?
Eine Membran ist eine hauchdünne, meist mikroporöse Materialschicht, die zwischen Außenmaterial und Futter eines Schuhs eingearbeitet wird. Ihre Aufgabe ist es, Wasser von außen abzuhalten, während Wasserdampf, der vom Fuß erzeugt wird, nach außen entweichen kann. Ohne Membran müsste ein Schuh entweder komplett wasserdicht, dafür aber ohne Atmungsaktivität, oder atmungsaktiv, dafür aber nicht wasserdicht sein. Die Membran löst diesen Zielkonflikt technisch und ist deshalb bei den meisten Bergstiefeln, die für wechselhaftes Wetter beworben werden, fester Bestandteil der Konstruktion.
Wie funktioniert eine wasserdichte, atmungsaktive Membran?
Das Prinzip beruht auf dem Größenunterschied zwischen einem Wassertropfen und einem Wasserdampfmolekül. Die Poren der Membran sind so klein, dass flüssiges Wasser von außen nicht hindurchdringen kann, gleichzeitig aber groß genug, damit der wesentlich kleinere Wasserdampf, den der Fuß beim Schwitzen produziert, nach außen entweichen kann. Dieser physikalische Effekt sorgt dafür, dass der Fuß bei Regen oder nassem Untergrund trocken bleibt, ohne dass sich im Schuh ein feuchtwarmes Klima aufbaut. Damit dieser Austausch funktioniert, ist zudem ein gewisses Temperatur- und Feuchtigkeitsgefälle zwischen Schuhinnerem und Außenluft notwendig, weshalb die Leistung einer Membran bei sehr feuchtwarmem Außenklima grundsätzlich abnimmt.
Welche Membran-Typen gibt es?
Am Markt haben sich verschiedene Membrantechnologien etabliert, die von unterschiedlichen Herstellern unter eigenen Markennamen angeboten werden. Manche Membranen bestehen aus einer dünnen, laminierten Kunststofffolie, andere aus beschichteten Textilstrukturen. Alle verfolgen grundsätzlich dasselbe Ziel, unterscheiden sich aber in Details wie Flexibilität, Gewicht und Langlebigkeit. Für Käuferinnen und Käufer ist meist weniger die genaue Technologie entscheidend als die Frage, ob der Schuh insgesamt als wasserdicht und atmungsaktiv beworben wird. Innerhalb dieser beiden großen Bauformen gibt es zudem Unterschiede in der Anzahl der verarbeiteten Materialschichten, was sich wiederum auf Gewicht und Packmaß des fertigen Schuhs auswirken kann.
Was bedeutet das für die Praxis auf der Tour?
In der Praxis sorgt eine funktionierende Membran dafür, dass die Füße bei Regen, nassem Gras oder feuchten Wegen trocken bleiben, während gleichzeitig Schweiß entweichen kann und die Füße nicht in ihrer eigenen Feuchtigkeit stehen. Das reduziert nicht nur das Unbehagen, sondern beugt auch Blasen vor, die durch dauerhafte Feuchtigkeit begünstigt werden. Besonders bei wechselhaftem Wetter oder Touren mit Bachdurchquerungen zeigt sich der Vorteil einer Membran deutlich. Auch bei morgendlichem Tau auf hohem Gras oder feuchten Wiesen, der über den Tag verteilt viele kleine Kontaktpunkte mit Feuchtigkeit erzeugt, macht sich eine gute Membran im direkten Vergleich zu einem Schuh ohne diese Technik spürbar bemerkbar.
Wo liegen die Grenzen von Membranen?
Eine Membran ist kein Allheilmittel. Bei sehr starker Anstrengung und entsprechend hoher Schweißproduktion kann selbst die beste Membran die Feuchtigkeit nicht vollständig abtransportieren. Auch wenn Wasser über den Schaftrand ins Schuhinnere eindringt, etwa bei einer tiefen Pfütze, hilft die beste Membran nichts, da sie nur die Fläche des Obermaterials schützt, nicht die Schaftöffnung. Zudem lässt die Leistungsfähigkeit einer Membran mit der Zeit nach, wenn die Außenimprägnierung nachlässt und sich das Obermaterial vollsaugt. In diesem Fall bleibt die Membran zwar technisch weiterhin wasserdicht, das durchnässte Obermaterial fühlt sich jedoch schwer und kalt an und beeinträchtigt so den Komfort spürbar.
Wie erkenne ich, ob ein Schuh eine Membran hat?
Hersteller weisen eine Membran in der Regel deutlich in der Produktbeschreibung aus, oft mit einem eigenen Markennamen für die verwendete Technologie. Fehlt ein entsprechender Hinweis, handelt es sich meist um einen Schuh ohne Membran, der stattdessen auf imprägniertes Obermaterial setzt oder bewusst auf maximale Atmungsaktivität für warme, trockene Bedingungen ausgelegt ist. Wer viel bei wechselhaftem Wetter unterwegs ist, sollte beim Kauf gezielt auf das Vorhandensein einer Membran achten und diese Information in der Produktbeschreibung suchen, statt sich allein auf den optischen Eindruck des Schuhs zu verlassen.
Brauche ich für jede Tour einen Schuh mit Membran?
Nicht zwingend. Wer überwiegend bei trockenem Wetter in warmen Regionen unterwegs ist, kann von einem Schuh ohne Membran sogar profitieren, da dieser häufig noch etwas atmungsaktiver ausfällt und weniger warm wird. Für den mitteleuropäischen Wanderalltag mit häufig wechselhaftem Wetter ist eine Membran jedoch in den meisten Fällen sinnvoll, da sie die Zuverlässigkeit des Schuhs bei plötzlichem Regen oder feuchten Bedingungen deutlich erhöht, ohne den Tragekomfort bei trockenem Wetter spürbar zu verschlechtern.
Wie pflege ich einen Schuh mit Membran richtig?
Auch ein Schuh mit Membran benötigt eine regelmäßige Außenimprägnierung, da die Membran allein nur einen Teil der Wasserdichtigkeit übernimmt. Sobald das Obermaterial Wasser aufsaugt statt es abperlen zu lassen, wird der Schuh insgesamt schwerer und kälter, selbst wenn die Membran im Inneren noch funktioniert. Bei der Reinigung sollten aggressive Lösungsmittel vermieden werden, da diese die empfindliche Membranstruktur im schlimmsten Fall beschädigen können. Eine milde, materialgerechte Pflege erhält die Funktion der Membran über viele Jahre.
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Verändert sich die Membran-Leistung mit dem Alter des Schuhs?
Wie viele technische Materialien unterliegt auch eine Membran einem gewissen Alterungsprozess, der sich vor allem durch häufiges Biegen, mechanische Belastung und UV-Einstrahlung beschleunigt. Nach mehreren Jahren intensiver Nutzung kann die Wasserdichtigkeit spürbar nachlassen, selbst wenn die Außenimprägnierung regelmäßig aufgefrischt wurde. Das ist ein normaler Verschleißprozess und kein Defekt. Wer über mehrere Saisons hinweg merkt, dass die Füße trotz frischer Imprägnierung zunehmend feucht werden, sollte diesen natürlichen Alterungsprozess der Membran als mögliche Ursache in Betracht ziehen.
